Horizontales Gewerbe – gesetzlich geregelt, aber wenig akzeptiert


Horizontales Gewerbe

Geht es um das horizontale Gewerbe, werden die meisten Menschen peinlich berührt die Augen niederschlagen. Denn obwohl es sich bei der Sexarbeit um das älteste Gewerbe der Welt handelt, wird doch nur ungern darüber gesprochen. Niemand würde freiwillig zugeben, dass er Callboys oder Prostituierte nutzt, um seine eigenen sexuellen Vorlieben zu befriedigen.

 

Horizontales Gewerbe früher und heute

Dabei blickt das horizontale Gewerbe auf eine lange Geschichte zurück. Schon im Altertum gab es die so genannte Tempelprostitution. Frauen boten Sex gegen Geschenke an den Tempel oder Opfergaben für die Gottheit an. Im Mittelalter hatten Frauen und Männer, die der Sexarbeit nachgingen, aufgrund der kirchlichen Moral, die allerorts vorherrschte, kein leichtes Leben. Trotzdem konnte sich das horizontale Gewerbe auch in dieser Zeit halten, in vielen Städten gab es sogar Bordelle.

In der Renaissance dagegen wurde die Prostitution sogar gesellschaftlich akzeptiert, zumindest in Form des Kurtisanenwesens. Gerade bei Feierlichkeiten, Theateraufführungen und Co. waren Frauen meist nicht anwesend. Ihre Abwesenheit wurde jedoch als Verlust und Mangel empfunden, woraufhin man Kurtisanen zu diesen Gesellschaften lud.

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit wurden Frauen, die dem horizontalen Gewerbe nachgingen oft als Überbleibsel der „Verderbtheit der katholischen Gesellschaft“ angesehen und aus den Städten vertrieben. Häufig wurden Prostituierte sogar als Hexen verbrannt. Im 17. Jahrhundert galt die Sexarbeit in Frankreich als strafbar.

Heute wird das horizontale Gewerbe, zumindest in vielen westlichen Ländern, offiziell sogar als Erwerbstätigkeit anerkannt und wie jeder andere Beruf akzeptiert. Das gilt zumindest auf dem Papier, in der Praxis ist Sexarbeit immer noch verpönt und mit einem eher fragwürdigen Ruf versehen.

 

Horizontales Gewerbe – in Deutschland gibt es ein Gesetz

In Deutschland führte man 2002 sogar ein Gesetz für das horizontale Gewerbe ein, das so genannte Prostitutionsgesetz. Dieses sollte in erster Linie dazu dienen, die rechtliche Stellung der Sexarbeiter/-innen zu verbessern. In dem Gesetz ist geregelt, dass die Sexarbeiter/-innen nach erbrachter Dienstleistung einen Anspruch auf ihr Entgelt haben. Dies gelte selbst dann, wenn der Kunde die vorher vereinbarten Leistungen dann doch nicht in Anspruch genommen hat.

Gesetzliche Krankenkassen können dem Gesetz zufolge auch Sexarbeiter/-innen aufnehmen und sie können sowohl auf selbstständiger Basis als auch als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten.